Frankenhofenonline ....

Abwasser & Pflanzenkläranlage

Wie soll das Abwasser in Frankenhofen künftig entsorgt werden? Ein Rückblick auf die Diskussion ab 2004.

Aus dem Archiv: Diese Beiträge stammen aus den Jahren 2004–2005 und geben den damaligen Diskussionsstand wieder. Wie die Abwasserfrage letztlich gelöst wurde, ist hier (noch) nicht beschrieben.

Rundbrief vom 21.12.2004

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger von Frankenhofen,

die Stadt Bad Wörishofen beabsichtigt, die Abwassersituation in Frankenhofen neu zu ordnen. Aus technischer Sicht kommen dabei zwei Varianten in Frage:

  • Variante I: Bau eines Kanals in Frankenhofen und Anschluss über das städtische Kanalnetz an die Verbandskläranlage.
  • Variante II: Bau eines Kanals in Frankenhofen mit Bau einer Pflanzenkläranlage im Umfeld von Frankenhofen.

Wir meinen, dass – unter Berücksichtigung der ökologischen Belange – die für uns beste und kostengünstigste Variante gebaut werden soll, wobei die Stadt Bad Wörishofen derzeit den Anschluss an die Verbandskläranlage favorisiert.

Aus diesem Grund hatten wir uns am 17.11.2004 zu einem informellen Vorgespräch mit Herrn Bürgermeister Holetschek und Vertretern des Bauamtes der Stadt Bad Wörishofen getroffen. Dabei wurde vereinbart, im neuen Jahr die Thematik mit dem Landratsamt Unterallgäu und dem Wasserwirtschaftsamt Krumbach gemeinsam zu erörtern.

Dieser Termin findet am 26.01.2005 statt. Sofern aus Sicht der Stadt Bad Wörishofen die Möglichkeit besteht, alternativ zum Anschluss an die Verbandskläranlage eine Pflanzenkläranlage zu errichten, werden wir anschließend in einer öffentlichen Bürgerversammlung sowohl die Ergebnisse der Besprechung als auch die Alternative vorstellen. Auf dieser Versammlung wollen wir dann den Weg zu der für uns kostengünstigsten Abwasserentsorgung gemeinsam überlegen.

Mitte Februar werden wir wieder über einen Rundbrief alle Haushalte benachrichtigen und zur Bürgerversammlung einladen.

gez.: Ludwig Filser, Xaver Kurz, Franz Böck

Wie funktioniert eine Pflanzenkläranlage mit Rottestation?

Eine Kläranlage mit einem bepflanzten, rezirkulierenden Bodenfilter als zentraler Einheit. Diese Anlagen sind naturnah, arbeiten zuverlässig und sind in puncto Kosten, Wartungsaufwand und Leistungsfähigkeit technischen Kleinkläranlagen sowie herkömmlichen Pflanzenkläranlagen weit überlegen.

Schema einer Pflanzenkläranlage mit Rottestation
Schema einer Pflanzenkläranlage mit Rottestation

Vorreinigung

Bevor Abwasser auf den Bodenfilter geleitet wird, muss es von Fest- und Schwebstoffen befreit werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Absetzvorrichtungen arbeiten diese Rottesysteme aerob (mit Sauerstoff), was große Vorteile für die folgenden Abbauprozesse im Bodenfilter bringt.

Bepflanzte Bodenfilter

Grundelement ist ein gegen die Umgebung abgedichtetes, etwa 1 m tiefes Erdbecken, das mit geeignetem Filtermaterial gefüllt und mit Schilf, Sumpfiris oder Binsen bepflanzt ist. Mechanisch vorgeklärtes Abwasser wird ein- bis mehrmals täglich schwallweise auf die Oberfläche geleitet, versickert rasch, strömt langsam durch den Bodenkörper und wird dabei gereinigt. Kleinere Anlagen arbeiten meist zweistufig, können aber auch mehrstufig sein. Bei ungünstiger Gefällesituation wird u. U. eine Pumpe benötigt. Die Reinigung der Schmutzfracht erfolgt durch komplexe biologisch-chemische und physikalische Prozesse: Mikroben bauen Kohlenstoff- und Stickstoffverbindungen ab, Phosphor und andere Inhaltsstoffe werden im Boden gebunden. Die Kapazität ist auf mehrere Jahrzehnte ausgelegt.

Brauchwassernutzung

Das gereinigte Abwasser steht dem Brauchwasserkreislauf (WC, Garten …) erneut zur Verfügung, wird vor Ort versickert oder in ein Oberflächengewässer eingeleitet. Diese Lösung entspricht den EU-Richtlinien. Zudem kann das „Biotop naturnahe Kläranlage“ als Gestaltungselement optimal in die Umgebung integriert werden.

Naturnahe Kläranlage als Biotop

Beispielanlage: Pflanzenkläranlage in Humbach (Gemeinde Rettenberg)

Erstellt 2004 durch Herrn Ing. Bernhard Gleixner – Bau der Anlage in Eigenregie der Dorfbewohner – für 50 Einwohnerwerte mit Wasserrückführung.

  • Kläranlage vom Flachdach der Rottestation aus gesehen
  • Rottestation, ca. 25 m Abstand vom Wohnhaus
  • Pumpstation
  • Rotteraum mit Stroh (keine Geruchsbelästigung)
  • Rottestation mit Einfahrt zur Entnahme des Kompostes
  • Blick von der Rottestation zum Pumpenhaus
  • Pumpschacht
  • Pflanzenbeet mit Spirale und Belüftungsrohr
  • Das 2. Pflanzenbeet mit Spirale und Belüftungsrohr
  • Wasserauffangbecken, geeignet als Badeteich
  • Pumpenhaus mit Auffangbecken, von Norden aus gesehen
  • Spiralförmige Wasserverteilung, Pflanzenbeet 1 + 2

Siehe auch: der Sketch zur geplanten Kläranlage beim Dorffest und Neue Bauplätze (2004).

Zurück zum Dorfleben